Blick

09.02.2000 - Wie sehen Abiturienten ihre Zukunft?

Umfrage der Woche
Wie sehen Abiturienten ihre Zukunft?

Wie sehen Göttinger Abiturienten ihre Zukunft? Der BLICK fragte die Schülerinnen und Schüler des Englisch Leistungskurses des 13. Jahrgangs am Felix-Klein-Gymnasium nach ihren Wünschen, Ängsten und der Selbsteinschätzung ihrer Generation. Mit der sogenannten "Null-Bock-Generation" der Achtziger Jahre kann sich keiner der Schüler identifizieren. Alle sehen erwartungsvoll in eine Zukunft, in der sie sich ihre Wünsche erfüllen können. So mancher ist zwar nicht sicher, was werden wird; aber die Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten teilen alle neun Schülerinnen und Schüler des Kurses. Doch nicht für alle ist das Studium eine erfolgversprechende Aussicht - gerade weil es nicht mehr so einfach sei wie vor Jahren, als ein Abschluss direkt zum gewünschten Beruf führte. Eine Familie, das steht schon jetzt fest, wollen später alle einmal gründen. Weniger Vertrauen haben die Schüler zu den Jahrgängen unter ihnen: Hier fehle die Allgemeinbildung und eine Verständigung mit ihnen sei kaum möglich. Es sei erschreckend, wie wenig Kind die Jüngeren noch sein dürften. Das Schulsystem bekommt auch nicht die besten Noten: Der Lehrplan sei nicht ausgewogen genug und bereite fast gar nicht auf ein mögliches Studium vor. Und auch wenn man in Studien- und Berufswelt "nicht gerade auf sie warte," fühlen sich die jungen Leute engagiert und flexibel genug, dass Beste aus ihrer Zukunft zu machen. Eine Schülerin bringt es auf den Punkt: "Gute Leute werden doch immer gesucht!"

Antonia Eck hat schon ein wenig Angst vor der Zeit nach dem Abitur. Doch sie traut sich, selbständig einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Nach der Schule möchte sie studieren, aber nicht in Göttingen bleiben.

Jann Gallwitz freut sich auf seine Zukunft - dabei ist es für ihn selbstverständlich, eigenes Geld zu verdienen. Sorgen über den Umbruch macht sich der Abiturient gar keine.

Auch Martin Jäckel macht sich keine Sorgen, was nach der Schulzeit mit ihm geschieht. Seine Pläne stehen schon so gut wie fest: Nach dem Zivildienst in Göttingen möchte er gerne ein Wirtschaftsstudium in Köln beginnen.

Kein Studium, sondern eine Ausbildung bei Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen ist die Zukunft von Alexandra Rode. "Vielleicht schließe ich danach noch ein Studium an," meint die junge Frau. Auf jeden Fall ist sie zuversichtlich, was die Zeit nach der Schule anbelangt.

Diese Zuversicht teilt auch Ole Frahm. Er freut sich auf neue Herausforderungen, zusammen mit motivierten Menschen. Göttingen sei zwar eine schöne Stadt, "aber irgendwann müsse man auch mal weg."

Gut beraten geht Lara Albrecht in ihr Studium. Sie hat sich vorher ausgiebig über diesen neuen Lebensabschnitt informiert. Und sollte doch nicht alles so funktionieren, wie geplant, hat sie auch keine Angst, sich immer noch einmal umorientieren zu können.

Seit 1989 unterrichtet Birgit Zuse am Felix-Klein-Gymnasium die Fächer Englisch und Geschichte. Dabei hat sie einige Jahrgänge begleitet und kennengelernt. In drei Punkten, so die Lehrerin, würden sich die Schüler von damals und heute unterscheiden: Schüler wären zunehmend vielseitiger orientiert und hätten neben der Schule mehr Interessen. Die materielle Orientierung und das Verdienen spiele ein ganz wesentliche Rolle - viele Schüler würden neben der Schule arbeiten, um sich ihre Wünsche erfüllen zu können. Als dritten Punkt die Lehrerin über die Jahre eine gewisse Verarmung der Sprache fest. Sie teilt die Meinung ihrer Schüler, dass es sich bei dieser Generation auf keinen Fall um eine Null Bock-Generation handele. Die Jugendlichen hätten den Willen zum Erfolg und zum Durchhalten.

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