Gedenkveranstaltung zum 20.Juli

FKG-Schüler waren eingeladen zur Gedenk-Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung zum 20. Juli in Hannover -

Ein erster Kommentar:

„Dass die Konrad Adenauer Stiftung der CDU nahe steht, ist bekannt – insofern ist es wenig verwunderlich, wenn auf einer ihrer Veranstaltungen Christian Wulff spricht. Christian Wulff seinerseits ist Politiker (also ein „Generalist mit dem Spezialwissen, wie man politische Gegner bekämpft" – Richard von Weizsäcker, ehem. Bundespräsident, CDU), insofern verwundert auch die Nebelgranatenrhetorik nicht.
Eigentlich geht es um das Attentat, dass von Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg und einigen weiteren hochrangigen Militärs am 20.07.1944 auf Adolf Hitler verübt wurde, seine Hintergründe (insbesondere den christlichen Glauben), seine Wirkungen und den deutschen Widerstand allgemein (ausgenommen den kommunistischen oder sozialdemokratischen). Aber Wulff erzählt uns, was er alles für „tolle Sachen gemacht" hat – z.B. hat er Tomatensoße getestet hat oder mit Sarah Connor ein Känguru getauft. Das tollste von allem war, dass er die Opfer des Transrapidunglücks geehrt hat – das war echt klasse! Wulff spricht davon, dass er provozieren wolle, indem er einen Preis für Zivilcourage an einen hohen Bundeswehroffizier verleihe, da die Bundeswehr ja die „größte deutsche Friedensbewegung" überhaupt sei – dabei merkt man nur allzu gut, dass er diesen Preis viel lieber sich selbst verleihen würde.

Zuvor hat Wulff aber tatsächlich über das Attentat gesprochen – die Frage war, welche Wirkung das Attentat tatsächlich hatte im Vergleich mit der Wirkung der prowestlichen deutschen Nachkriegspolitik. Bevor er darauf jedoch näher einzugehen gedachte, war es ihm ein inneres Bedürfnis die Frage in der umgekehrten Richtung zu betrachten: Wie modern doch einige Widerstandskämpfer waren! Sie forderten bereits eine gemeinsame europäische Währung, hatten genaue demokratische Vorstellungen und scheinen seltsamerweise direkte Vorgänger der CDU/CSU gewesen zu sein... Die Frage hat, bis Wulff nach etlichen endlich an diesem Punkt angelangt ist, bereits jeder wieder vergessen. Um ganz sicher zu gehen, dass er seine Redezeit voll ausnutzt, lobt er noch ein wenig die christlichen Tugenden, z.B. die Nächstenliebe (die wir in der Sozialpolitik der CDU so sehr vermissen). Dann spricht jemand anders.

Insgesamt gab es bei der Veranstaltung am 25.6. im Grand Hotel Maritim in Hannover vier Referenten: einen Generalmajor a.D., einen ev.-luth. Landesbischof, den Vorsitzenden der Stiftung 20. Juli 1944 und eben Wulff. Zugegeben war Wulff mit Abstand der schlechteste Redner, doch ganz allgemein war wenig Lobenswertes an dieser Veranstaltung: So ist es irreführend, eine Sitzung, bei der vier Vertreter verschiedener CDU-naher Gruppierungen schriftlich ausformulierte Antworten auf schriftlich ausformulierte Fragen vorlesen (die grundsätzlich trotzdem nicht zueinander passen!), eine „Podiumsdiskussion" zu nennen. Sprachlich krankten sämtliche an den Politikerkrankheiten: Man spricht hendiadyoinisch und tautologisch, benutzt Pleonasmen – sprich: man sagt mit viel Worten wenig. Im übrigen benutzt man statt Worte wie „gleichsam", die gleichsam den Klang verbessern und die Rede dehnen. Betonung? Ein Fremdwort.

Gesagt wurde einiges Interessante, einiges Überdenkenswerte – und einiges schlichtweg Falsche. So hat Wulff – spontan, wie er betont – eine Passage in seine Rede eingebaut, in der es heißt, das Schlimmste, was einem Demonstranten oder sonstigen Protestler passieren könne, sei, dass man ihn auffordere, selbst in die Politik zu gehen. Wir erinnern uns des Demonstranten Carlo Giuliani, der bei einer Demonstration anlässlich des G8-Gipfels 2001 in Genua von einem Polizisten erschossen wurde. Zweifellos war die Veranstaltung trotz oder gerade dieser Schwächen wegen interessant – bloß eben „gut" kann man sie nicht nennen."

Stephan Wojtowytsch