Besuch des Niedersächsischen Landtags

Amüsante Debatte - leider zu kurz

Einen kleinen Einblick in die niedersächsische Landespolitik konnten Schülervertreter und Schülerzeitungsredakteure aus Göttingen vor kurzem in Hannover gewinnen. Janina Broschk und Tobias Amslinger sind der Einladung von Minister Thomas Oppermann in den Landtag gefolgt.

Nach der Ankunft mit dem Reisebus in Hannover und der Vorführung eines Dokumentarfilms zur Geschichte und Arbeit des Landtages im Leineschloss heißt es für die 35 Schüler aus Göttingen, Politiker im Plenum bei ihrer Arbeit zu beobachten, beziehungsweise Zeitung lesende Abgeordnete zu sehen, von denen sich ab und an einige vorn am Redepult nicht gerade zimperlich behandeln. Der Rest kommt - und geht. Die langsam aufkeimende Befürchtung, man müsse nun Abschied nehmen vom letzten Fünklein Politikglauben, erstickt man schnellstmöglich, sprach doch auch im zuvor gesehenen Film jemand davon, dass Abgeordnete noch viele andere wichtige Aufgaben hätten. Ergo: Wer nicht im Plenum sitzt, der arbeitet? Sabina Kratzert vom OHG amüsiert sich jedenfalls köstlich auf der Zuschauertribüne des mit 155 Sitzen bestückten Plenarsaals und würde gerne länger bleiben: „Die Sitzung im Plenum war zu kurz."

Brötchen und Minister

Anschließend steht eine Gesprächsrunde mit Getränken, belegten Brötchen und Thomas Oppermann, dem Minister für Wissenschaft und Kultur in Niedersachsen, auf dem Plan. Dieser hat das schulübergreifende Treffen organisiert. Diskutiert wird - zuweilen mit Meinungsverschiedenheiten zwischen Gastgeber und Gästen - vor allem über das vermeintliche Schülerthema Nr. 1: Bildung. Jedoch nicht zur Freude aller Angereisten. Inken Hitzemann vom OHG etwa beklagt sich über die einseitige Themenwahl, hatte sie sich doch auf andere Dinge vorbereitet.
Auf der Rückfahrt nach Göttingen zieht Christoph Schinner, Schülervertreter am Felix-Klein-Gymnasium, ein kurzes Fazit aus dem Ausflug: „Die Debatte war lustig, das Gespräch nicht sehr aufschlussreich". Wirklich lustig kann man das Ganze allerdings nur finden, wenn man bereits innerlich mit dem Thema Politik abgeschlossen hat. Führt man sich vor Augen, dass es in den Plenumsdebatten keineswegs - so der Eindruck vieler Schüler - um die sachgerechte Entgegnung und Prüfung verschiedener Argumente und das pragmatische Finden der bestmöglichen Lösung, sondern um bloßen Parteienkrieg geht, der sich zwangsläufig auch in den Abstimmungen widerspiegelt (in dieser Legislaturperiode heißt das also: die Meinung der SPD ist grundsätzlich die Richtige, da sie gemeinsam mit den Grünen die Regierungsmehrheit besitzt), kann niemandem mehr zum Lachen zumute sein - trotz Steuersong und Kanzlerwitzen. Schließlich betreffen viele der hier getroffenen Entscheidungen unser Leben in erheblichem Maße.

Der Landtag, die Wahl

Der Landtag ist das oberste Verfassungsorgan Niedersachsens und wird alle fünf Jahre neu gewählt. Am 2. Februar des kommenden Jahres ist wieder jeder volljährige Niedersachse berechtigt, seinen Stimmzettel in die Wahlurne zu werfen. Unter dem Motto „Lauft nicht weg - geht wählen" versucht die Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung besonders jüngere Wähler für die Wahl zu gewinnen. Nur mit der Stimmabgabe könne auf die häufig diskutierte „Politikverdrossenheit" reagiert werden.