Wie Jugendliche die Documenta 11 in Kassel erleben

Nichts für Geradeausdenker

Tobias Amslinger, 16-jähriger Schüler am Göttinger Felix-Klein-Gymnasium und einer der neuen „Jugendreporter" des GT, war auf der Documenta11 und hat junge Besucher aus ganz Deutschland zu ihren Kunst-Eindrücken befragt.

Die alle fünf Jahre in Kassel stattfindende Kunstaustellung Documenta zieht Besucher aus der ganzen Welt an. Bezeichnet wurde die 11. Documenta in den Medien oft als „politischste Documenta aller Zeiten"; sie ist vor allem aber auch eine Ausstellung, die sich von bei vielen Menschen festgesetzten Kunstauffassungen verabschiedet. Dominierend sind hier nicht etwa die Malerei oder Bildhauerei, sondern im besonderen Maße die moderne Videokunst oder aufwändige Installationen - allesamt Kunstrichtungen, die einen neuen Blick auf Ereignisse und Probleme in der Welt schaffen. Beeindruckend und keiner Erklärung bedürftig sind zum Beispiel die Schwarz-Weiß-Fotografien des Marokkaners Touhami Ennadre, der den 11. September zufällig in New York verbrachte, und mit seiner Kamera Bilder des Schreckens und Leidens einfing. Das „dokumentarische, politische" im Gegensatz zu „den alten Meistern" sieht der 16-jährige Schüler Max aus Meschede in den auf fünf Ausstellungsorte verteilten Exponaten.

Überall anstehen

Besuchen sollte man die Documenta, sofern es sich einrichten lässt, nicht am Wochenende. Der Samstag als Besuchstag stellt sich jedenfalls als unglücklich gewählt heraus: „Es ist blöd, dass man überall anstehen muss", schimpft Anja aus dem hessischen Hanau, während sie sich erschöpft auf einer der Bänke ausruht. Immerhin noch stehend geben die beiden Jugendlichen Lisa und Melanie aus Lemgo ihren prägnanten Kunst-Kommentar ab: „Langweilig". Der 17-jährige Philipp aus Bremen hingegen findet Gefallen an der Ausstellung, kann aber mit vielen Kunstwerken nur wenig anfangen: „Der Sinn erschließt sich mir oft recht schwer oder gar nicht". In der Tat besteht nicht selten Erklärungsbedarf. Viel zum Verständnis eines Kunstwerkes hilft ein Blick in den auf der Ausstellung verkauften Kurzführer oder die Teilnahme an einer der kostenpflichtigen Führungen mit den speziell ausgebildeten „Documenta-Guides", oft Studenten, die sich in einer mehrwöchigen Schulung mit den Kunstwerken auseinander gesetzt haben. Jan, 16 Jahre alt und Schüler an einem Würzburger Gymnasium, sieht es ähnlich wie Philipp: „Die Documenta ist nichts für Geradeausdenker". Kunst verlangt neue Denk- und Sichtweisen.

Geöffnet ist die Kunstaustellung in Kassel noch bis zum 15. September täglich von 10.00 bis 20.00 Uhr.