Umweltminister Trittin im Gespräch

Trittin, die Kuchenlöffel und die Jugend

Katharina Schliebs, 18 jährige Schülerin am Göttinger FKG und eine der neuen "Jugendreporter" des GT, hat den grünen Umweltminister nach seinem Auftritt am vergangenen Sonntag vor dem Alten Rathaus erlebt:

Kaum ist "der Joschka" weg, kommt die Sonne wieder und "der Jürgen" lädt zur Pressekonferenz im grünen Zentrum. Eine freundliche Grüne bittet zu Kaffee und Kuchen, und Trittin äßert sich ganz zufrieden über die heutige Veranstaltung. Natürlich hätte das schlechte Wetter den Gegendemonstranten das Schreien und Pfeifen erleichtert, so erklärt er sich das, denn die Fans seiner Partei, die sind zu Hause geblieben. Er jedenfalls für seinen Teil sei "hochzufrieden".
1972, als er in unserem Alter war, da sei er auch nicht immer mit der sozial-liberalen Koalition einverstanden gewesen - aber die Alternative damals war Strauß, also, man könne doch nicht mit einem Glas, in dem nur 80 Prozent Wasser sind, so unzufrieden sein, dass man es deshalb gleich komplett in den Ausfluss gösse.
Wenn das Land morgen von den Autonomen regiert werden könnte, dann hätte er Verständnis für die Pfiffe. Aber so? "Wo ist denn da die Alternative? In Bayern?" Bestimmt nicht. Schüchtern nippen wir an unserem Wasser und nicken. "Es heißt ja Wahlkampf und nicht Wahlspaziergang", sinniert Trittin, lehnt sich zurück und verschränkt die Arme hinter dem Kopf. "Im Grunde geht es nur darum: Schaffen wir es, lauter zu sein als Herr Fischer? Das ist ja eigentlich nur Spaß an der Party. Und morgen steht in der Bild am Sonntag: Fischer und Trittin in Göttingen ausgebuht! Und dann freuen sich wieder die Falschen. Ich bin mir nicht sicher, ob das gewollt ist."
Ob wir ein Stück Kuchen (selbstgebacken) wollen. Wir wollen. Kuchengabeln sind keine da, essen wir eben mit Kaffeelöffel Und unser Umweltminister erzählt, was die Regierung in den vier Jahren alles in Umweltfragen erreicht hat. Dass er Fragen in diese Richtung öfter beantwortet hat, zeigt sich an der Art, die Erfolge aufzuzählen. "Erstens", sagt er, "die Energiewende. Zweitens, der Klimaschutz. Und drittens haben wir das Naturschutzrecht verändert. Am wichtigsten sind mir aber der Atomausstieg und die Alternativen dazu: Wir haben den Windstrom vervierfacht!", sagt er mit dem Kuchenlöffel in der Hand, "Strom aus Sonne verfünffacht! Alle Atomkraftwerke werden 32 Jahre nach ihrer Inbetriebnahme vom Netz genommen, das sind im Durchschnitt für jedes Kraftwerk elf Jahre. Spätestens im Jahre 2020 ist Schluss!" Wenn doch nun aber alles so toll und super ist und so prima läuft, wieso dann die Pfiffe? Wieso die schlechten Umfrageergebnisse?
"Ach wissen Sie", meint er leichthin, "Menschen müssen einfach unzufrieden sein." Aha?!? Trittin lässt den Löffel sinken und den Kuchen stehen. "Wissen Sie, die rufen pro Umfrage vielleicht 1000 Leute an und von denen sind 30 bis 40 Prozent unentschieden! So! Was heißt das jetzt?" Das würden wir jetzt auch gerne wissen. "Das bedeutet, diese Leute sind eigentlich zufrieden!" Ach. "Wissen Sie, woher die negative Stimmung im Land kommt? Es gab einen Boom in der Medienbranche, Sie erinnern sich?" Wir nicken, ja sicher. "Die Medienbranche finanziert sich über Werbung. Der Wirtschaft geht's jetzt schlecht, was wird zuerst von den Bossen zurückgezogen? Die Werbung! Und wer wird jetzt arbeitslos? Die Medienleute, die Meinungsmacher, die haben alle Angst um ihren Stuhl, deshalb schimpfen sie auf die Regierung! Und diese Leute machen Meinungen!" Der Kuchen mag dem Abgeordneten jetzt nicht mehr schmecken. Vielleicht hat er ihn auch vergessen.
Trittin, wieder souverän, gibt uns noch ein Augenzwinkern Richtung Jugend: Ob wir wüssten, dass die Grünen sich dafür einsetzten, dass das Kindergeld für Studenten direkt an diese gezahlt werde? Schröder hätte sich zwar missbilligend geäußert, aber na ja. Das kennt man ja, der und sein Basta halt. Der gute, alte Gerhard. Übrigens gebe er, Jürgen Trittin, fast immer nur Schülern des FKG und der IGS Interviews. Zwinker, zwinker.