16.07.2012

Herzogs Witz zündet auch nach 50 Jahren

Festkonzert zum 50-jährigen Bestehen des Göttinger Knabenchors im Felix-Klein-Gymnasium

50 Jahre sind ein stolzes Alter für eine Institution wie einen Knabenchor. Gewiss gibt es ungleich ältere – die Thomaner sind 800, die Regensburger Domspatzen gar über 1000 Jahre alt –, dennoch hat der 1962 von Franz Herzog gegründete Göttinger Knabenchor allen Grund zum Feiern.

Das hat er am Freitag gründlich getan – zusammen mit dem Verein der Ehemaligen des Felix-Klein-Gymnasiums (FKG), der seinen 100. Geburtstag beging. Dass das Festkonzert des Knabenchores ausgerechnet in der Aula dieses Gymnasiums dargeboten wurde, hat einen einfachen Grund: Der Knabenchor ist aus dem Schulchor des Felix-Klein-Gymnasiums hervorgegangen, an dem Franz Herzog Musiklehrer war. Und dass Herzog damals seine neue Lehrerstelle gleich mit der Gründung eines Chores verband, hängt mit der Biografie Herzogs zusammen. Als langjährigem Mitglied des Dresdner Kreuzchores war ihm Chorarbeit seit Kindertagen vertraut.
Zentraler Punkt des musikalischen Festprogramms war eine Komposition von Franz Herzog, die „Palmström-Suite" für Chor und Instrumentalcombo nach Gedichten von Christian Morgenstern, die Herzog seinem Knabenchor auf den Leib geschrieben hatte. Es ist dies ein musikalisch ziemlich anspruchsvolles, zugleich ausgesprochen unterhaltsames Werk, in dem Tanzrhythmen der fünfziger Jahre, Boogie und Blues mit teilweise vertrackten Kanons verknüpft sind. Der von Michael Krause gründlich vorbereitete Chor sang seinen Part mit großer Präzision und bemerkenswerter Hingabe – so konnte Herzogs musikalischer Witz zünden und das Publikum in der vollbesetzten Aula immer wieder zu Zwischenapplaus hinreißen. Wichtigster Instrumentalpartner war der sehr akzentuiert und profiliert musizierende Pianist Falk Zimmer, der diese Suite schon seit ihrer Uraufführung immer wieder begleitet hat.
Ergänzt war das Programm durch einen engagierten Beitrag des FKG-Oberstufenchors unter der Leitung von Angelika Brenner, den „Vespergesang" von Mendelssohn und drei der fünf „Short Songs" von Herzog für Männerchor, gebildet aus Ehemaligen des Knabenchors. Besonders eindrucksvoll das Finale: Zu zwei „Palmström"-Nummern bat Krause auch alle Ehemaligen des Knabenchors, die zuvor nur zugehört hatten, auf die Bühne, so dass dann für den Dirigenten kaum noch Platz auf dem Podium war. Und tatsächlich beherrschten sie alle immer noch auswendig ihren Part in dieser Musik. Sie ist also fraglos ein Teil ihres Lebens geworden.