18.05.2012

Bis vor 50 Jahren haben sie am Göttinger Felix-Klein-Gymnasium gemeinsam die Schulbank gedrückt – 24 Jungs der damaligen Klasse 13sfl. Inzwischen wohnen sie verstreut in Deutschland und Dänemark. 15 von ihnen kamen jetzt zum Jubiläumsklassentreffen in ihrer Heimatstadt zusammen. Ein Treffen, das wahrscheinlich tagelang gedauert hätte, wenn sie ausführlich nur über ihre Berufskarrieren erzählt hätten. Die dürften nämlich in dieser konzentrierten Form ungewöhnlich sein. Ihr Mitschüler Rüdiger Matzat hat sie fürs Tageblatt aufgelistet: Zwei Bankkaufleute, einer im Vorstand der Commerzbank. Drei Professoren, davon einer Neurochirurg in Hamburg, der andere Internist in Lüneburg, der dritte arbeitet immer noch als Psychologe an der FU in Berlin. Aus Hannover kamen zwei Ministerialräte, aus der näheren Umgebung der frühere Bürgermeister von Northeim, ein ebenfalls dort beheimateter Zahnarzt und ein Dermatologe aus Osterode. Aus Tegernsee kam ein Diplom-Ingenieur und aus dem Taunus fast ein Exot: ein promovierter Pflanzen-Pathologe. „Spannend wurde es", so Matzat, als ein Kamerad aus Karlsruhe erzählte, wie er zu Zeiten der Rote Armee Fraktion (RAF) als Ermittlungsrichter am Bundesverfassungsgericht mit den Fällen Buback und Schleyer befasst war. Aber auch die beiden „Nichtstudierten" hatten ein bewegtes Leben: Einer ging nach dem Abitur ins Auswärtige Amt und leitete Jahrzehnte den Dienstbetrieb der deutschen Botschaften im Ausland. Der andere ging zur Marine und wurde Chef einer Eckernförder Spezialeinheit, bevor er mehrere Jahre als Austausch-Offizier in den USA bei den Navy Seals diente. Entschuldigt hatte sich der letzte noch lebende Lehrer, ein Oberstudiendirektor aus Herzberg.