08.09.2008

 A cappella ohne Machogehabe
Unter echten Kerlen stellt man sich eher protzige Machos vor. Doch die wahren „Echten Kerle" verstehen darunter etwasanderes. Sie wollen nur das eine: ohne Begleitband und Instrumente singen. Dass Stimmen ausreichen, um gute Laune zu verbreiten, hat die Kasseler A-cappella-Formation am Donnerstag im Göttinger Lumière unter Beweis gestellt.
»«Von Stefan Moriße »Wer hat sich als Kind nicht Lehrer gewünscht, die mal aus sich herausgehen? Die lustige Sprüche auf Lager haben, herumalbern und über sich selbst lachen können, anstatt nur den strengen Pädagogen zu geben? Einige Schüler des Göttinger Felix-Klein-Gymnasiums (FKG) gehören zu den Glücklichen, die diese Gelegenheit geboten bekommen. Denn mit Axel Fink gehört ein ehemaliger Lehrer des FKG der Kasseler A-cappella-Gruppe „Echte Kerle" an, die sich auf der Bühne für nichts zu schade sind und ihre Stücke mit eigenwilligen Choreografien veredeln. So verwundert es kaum, dass sich im ausverkauften Lumière auch zahlreiche Schüler unters Publikum gemischt haben. Dieses bekommt ein buntes Repertoire aus zumeist eigenen Stücken geboten. Das Männerquintett besingt die Vorzüge, mit einem Wohnmobil im Stau zu stehen, ruft auf zum allgemeinen Boykott des Über-Schnäppchens bei Elektroartikeln und Billigfleisch und gibt Intellektuellen, die panisch flehen: „Hilfe! Meine Frau ist schlau", wertvolle Tipps. «„Heut'»« Nacht bei Westerwelle" »Politisch unkorrekt, aber augenzwinkernd umgesetzt, holen die „Echten Kerle" schließlich zum politischen Paukenschlag aus. Georg Lewandowski, früherer Oberbürgermeister von Kassel, wird ein Anti-Blasmusik-Song gewidmet. Nicht besser ergeht es dem FDP-Vorsitzenden. In einer Umdichtung von Julis „Perfekte Welle" heißt es da: „Du warst heut' Nacht bei Westerwelle". Den Gipfelpunkt sparen sich die fünf Sänger fürs Finale auf. Dafür holen sie sich Verstärkung aus dem Publikum. Natürlich bekommt Axel Fink den Vortritt, und der wählt eine Schülerin und einen früheren Lehrerkollegen vom FKG. Ein wenig überrumpelt betreten die beiden die Bühne, machen jedoch begeistert mit, als sie für den letzten Titel eine improvisierte Choreografie vortanzen sollen, die die Band nachzuahmen versucht. Einen Tanzwettbewerb gewinnen die „Echte Kerle" damit nicht, aber die Herzen der Zuschauer, die eine sympathische und überzeugende A-cappella-Band erleben – und das nicht nur auf aufgrund des kleinen Heimvorteils, den die „Echten Kerle" zu nutzen wissen.