09.05.2008

Arbeitszeitkonto: 300 Göttinger protestieren

Pädagogen misstrauen Kultusministerin / „Ich fühle mich einfach verladen“ / Demo in Hannover

Fahnen schwingend und mit Protestplakaten vor dem Bauch haben gestern Tausende Lehrer in Hannover gegen die Schulpolitik demonstriert. Mit dabei waren gut 300 Lehrer aus dem Raum Göttingen. Nach dem „Schlingerkurs“ um das so genannte Arbeitszeitkonto „ist das Vertrauen in die Kultusministerin zerstört“, fasst eine Lehrerin die Stimmung zusammen.
Von Ulrich Schubert. Göttingen
. Geschlossen und entschlossen postieren sich die Pädagogen vor ihren vier Bussen auf dem Schützenplatz. Aus Duderstadt, Hann. Münden, Göttingen und anderen Schulstandorten im Kreis sind sie gekommen. Gewerkschaften und sechs Lehrerverbände haben zur Demonstration aufgerufen. „Ich fühle mich einfach verladen“, sagt Susanne Mues-Melching, Lehrerin am Felix-Klein-Gymnasium. Selbst der „halbherzige“ Rückzug von Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) am Vortag beruhigt nur wenige. Die Verärgerung „lässt sich nicht so einfach wegwischen“. Der Grund für ihren Ärger: Seit 1998 haben die Lehrer in Niedersachsen unentgeltlich je Woche ein oder zwei Stunden zusätzlich gearbeitet. Die Überstunden sollten sie ab 2008 abbauen. Diesen Ausgleich wollte das Landeskabinett nun auf das jeweils letzte Jahr vor der Pensionierung verschieben. Darauf hagelte es Proteste, und Heister-Neumann zog die Notbremse. Ihr aktuelles Angebot: Die Lehrer sollen ihr Stundenkonto erst in vier Jahren ausgleichen, bekommen für die Verschiebung aber Bonusstunden. Der neuen und bisher mündlichen Zusage aber trauen die Lehrer nicht. Schon mehrfach habe die Ministerin mit „unglaublicher Spontaneität“ ihre Meinung geändert, klagt Birgit Schewe-Roscher, Personalrat der Integrierten Gesamtschule. „Das Vertrauen ist hin, wir brauchen ein einklagbares und festgeschriebenes Recht“, ergänzt Martin Knobbe von der Lehrergewerkschaft GEW im Kreisverband Göttingen. „Wer Überstunden macht, sollte diese auch zeitnah ausgleichen können“, sagt Lehrerin Yvonne Rehers. „Darauf kann ich doch nicht 30 Jahre bis zu meiner Pensionierung warten“, kritisiert sie den zurzeit noch gültigen Beschluss. Unterricht sei durch ihre Demo am Nachmittag nicht ausgefallen, so die Lehrer. Notfalls hätten Kollegen sie in der Schule vertreten.